Die rote Fahne wehte auf dem Dach des Bethanien. Jugendliche hatten das Haus besetzt. Wöchentlich berichteten die Medien von polizeilichen Räumungen. Es war derFrühling vor dem deutschen Herbst und Zeit für Aufbrüche. 1971 setzte der Hausfriedensbruch ein Signal, das zur Rettung des historischen Krankenhauses vor dem Abriss führte. »Dieses Haus hat zwei Jahre lang leer gestanden, ist beheizt worden, ist total in Schuss, ist besser in Schuss, als die anderen Kreuzberger Wohnungen und steht hier einfach so ’rum und wir haben keine Wohnungen.« »Für Lehrlinge ist es gedacht, für Trebegänger, für Drogenabhängige, für Jungarbeiter und für Schüler. Es soll von den Leuten, die hier wohnen werden, selbst verwaltet werden«, erklären Besetzer dem Reporter des SFB, der unvermittelt fortfährt: »Und dann entsteht in einem der Häuser ein Künstlerhaus mit Arbeitsateliers, mit Werkstätten und Ausstellungsräumen. Aus aller Welt kommen Künstler hierher, um zu leben und zu arbeiten. Nun gibt es Ateliers, Galerien, Kunstausstellungen anderswo auch. Das ist nicht das Besondere am Bethanien. Das Wesentliche am Berliner Künstlerhaus liegt in seiner Verbindung zur Stadt und zu ihren Bewohnern.« Aber nicht nur das Künstlerhaus, sondern ein Kuddelmuddel aus Ämtern mit seifengrün gestrichenen Fluren, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen zieht ein, mit einer großen Bandbreite an Veranstaltungsformaten, ohne dass Raumaufteilung Die Bürger sind heute höhere Standards gewohnt, bemerken Janine Becker und Anja Barenthin lapidar zu ihrem Entwurf Kunstplateau 36. Das historische Ensemble hatte ihr Interesse geweckt, seit sie zu Studienbeginn nach Kreuzberg gezogen waren. |
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